Long COVID, Post-COVID und ME/CFS

Nach einer COVID-19-Erkrankung können Beschwerden länger anhalten, erneut auftreten oder sich erst im weiteren Verlauf entwickeln. Die Ursachen und Krankheitsbilder sind unterschiedlich. Ein Teil der Betroffenen entwickelt eine ausgeprägte Belastungsintoleranz mit postexertioneller Malaise (PEM); bei einem Teil erfüllt das Beschwerdebild die Kriterien einer ME/CFS.

Wichtiger Hinweis

Derzeit keine Termine in unserer Spezialsprechstunde

Leider können wir bis auf Weiteres keine neuen Termine in unserer speziellen Sprechstunde für Long COVID, PostVac und ME/CFS anbieten.

Diese Seite dient daher vor allem der Orientierung und verweist auf weiterführende seriöse Informationsangebote.

Einordnung

Long COVID ist nicht gleich ME/CFS

Unter Long COVID werden gesundheitliche Beschwerden zusammengefasst, die nach einer SARS-CoV-2-Infektion über die akute Erkrankungsphase hinaus bestehen, wiederkehren oder neu auftreten.

Dabei handelt es sich nicht um ein einheitliches Krankheitsbild. Beschwerden können beispielsweise durch fortbestehende Organveränderungen, Folgen einer schweren Akuterkrankung, autonome Regulationsstörungen oder andere postinfektiöse Mechanismen bedingt sein.

ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue-Syndrom) ist davon als eigenständiges klinisches Krankheitsbild abzugrenzen. Charakteristisch ist insbesondere eine krankhafte Verschlechterung nach körperlicher, geistiger oder anderer Belastung.

Mögliche Beschwerden

Long COVID kann sehr unterschiedlich aussehen

Fatigue und Belastungsintoleranz

Ausgeprägte körperliche oder geistige Erschöpfbarkeit gehört zu den häufig berichteten Beschwerden. Bei manchen Betroffenen tritt nach Belastung zusätzlich eine deutliche und länger anhaltende Zustandsverschlechterung auf.

Konzentration und Denken

Konzentrationsstörungen, verlangsamtes Denken, Wortfindungsprobleme und eine erhöhte kognitive Ermüdbarkeit werden häufig als „Brain Fog“ beschrieben.

Kreislauf und autonomes Nervensystem

Möglich sind unter anderem Herzrasen, Schwindel, Kreislaufbeschwerden oder eine Verschlechterung beim längeren Stehen.

Weitere Beschwerden

Auch Schlafstörungen, Kopf- und Muskelschmerzen, Atembeschwerden, Geruchs- oder Geschmacksstörungen sowie weitere körperliche Symptome können auftreten.

Besonders wichtig

Postexertionelle Malaise – PEM

PEM bezeichnet eine Verschlechterung der Beschwerden nach einer Belastung, die zuvor möglicherweise problemlos möglich gewesen wäre.

Auslöser können körperliche Aktivität, geistige Anstrengung, soziale oder emotionale Belastung sowie sensorische Reize sein. Die Verschlechterung kann verzögert auftreten und über Tage oder länger anhalten.

Besteht eine solche Belastungsintoleranz, sollte die körperliche Aktivität nicht nach einem starren Trainingsschema gesteigert werden. Entscheidend ist, Überlastungen und wiederholte PEM möglichst zu vermeiden.

Energiemanagement

Pacing bei Belastungsintoleranz und PEM

Pacing bedeutet, Aktivitäten an die individuell verfügbare Belastbarkeit anzupassen und körperliche oder geistige Überlastungen möglichst zu vermeiden.

Ziel ist nicht eine möglichst weitgehende Schonung, sondern ein möglichst stabiler Umgang mit den vorhandenen Energiereserven innerhalb der persönlichen Belastungsgrenze.

Belastungsgrenze erkennen

Beobachten, welche körperlichen, geistigen oder alltäglichen Aktivitäten Beschwerden verstärken.

Aktivitäten einteilen

Belastende Tätigkeiten verteilen, Pausen einplanen und möglichst nicht mehrere große Anforderungen miteinander kombinieren.

PEM vermeiden

Wiederkehrende deutliche Zustandsverschlechterungen nach Überlastung sind ein Hinweis darauf, das Aktivitätsniveau anzupassen.

ME/CFS

Eine eigenständige komplexe Erkrankung

ME/CFS ist mehr als chronische Müdigkeit oder Erschöpfung. Typisch sind eine ausgeprägte Einschränkung der Belastbarkeit, postexertionelle Malaise sowie weitere körperliche und kognitive Beschwerden.

Häufig bestehen zusätzlich nicht erholsamer Schlaf, Konzentrationsstörungen, Schmerzen und Störungen der Kreislaufregulation.

Die Diagnose wird anhand etablierter klinischer Kriterien gestellt. Gleichzeitig müssen andere Erkrankungen, die vergleichbare Beschwerden verursachen können, ausreichend abgeklärt werden.

Diagnostik

Es gibt nicht den einen Long-COVID-Test

Die Abklärung richtet sich nach Art, Dauer und Schwere der Beschwerden sowie nach möglichen Vorerkrankungen. Ein einzelner Laborwert oder eine einzelne Untersuchung kann Long COVID oder ME/CFS nicht allgemein bestätigen oder ausschließen.

Anamnese und Verlauf

Wichtig sind der zeitliche Zusammenhang mit der Infektion, die Entwicklung der Beschwerden und insbesondere die Frage, wie sich körperliche und geistige Belastung auswirken.

Differenzialdiagnostik

Abhängig von den Beschwerden müssen andere mögliche Ursachen durch körperliche Untersuchung, Labor, apparative Diagnostik oder fachärztliche Abklärung berücksichtigt werden.

Kreislaufregulation

Bei Beschwerden im Stehen kann eine gezielte Untersuchung der orthostatischen Kreislaufregulation sinnvoll sein.

Individuelle Schwerpunkte

Atembeschwerden, Herzsymptome, neurologische Beschwerden, Schlafstörungen oder Schmerzen können weitere gezielte Untersuchungen erforderlich machen.

Behandlung

Die Therapie richtet sich nach den Beschwerden

Für Long COVID und ME/CFS gibt es derzeit keine allgemein etablierte kausale Therapie, die das Krankheitsbild zuverlässig beseitigt.

Die Behandlung orientiert sich deshalb an den individuellen Beschwerden, den erhobenen Befunden und der persönlichen Belastbarkeit.

  • Energiemanagement und Pacing bei PEM
  • Behandlung von Schlafstörungen und Schmerzen
  • Behandlung von Kreislauf- und orthostatischen Beschwerden
  • Behandlung bestehender Organerkrankungen
  • Anpassung von Alltag, Schule oder Beruf an die Belastbarkeit
  • gezielte fachärztliche Mitbehandlung bei entsprechenden Befunden

Therapie und Rehabilitation müssen bei ausgeprägter Belastungsintoleranz individuell angepasst werden. Insbesondere bei PEM kann ein nicht angepasstes Belastungs- oder Trainingsprogramm zu einer deutlichen Verschlechterung führen.

Verlauf

Der Verlauf ist individuell

Viele Menschen mit länger anhaltenden Beschwerden nach COVID-19 erleben im Verlauf eine Besserung. Bei einem Teil bleiben die Beschwerden jedoch über längere Zeit bestehen und können die Alltagsfunktion erheblich einschränken.

Eine zuverlässige Prognose für den einzelnen Menschen lässt sich daraus nicht ableiten. Verlauf und Behandlung müssen deshalb individuell beurteilt werden.

Weiterführende Informationen

Seriöse Informationsangebote

BMG-Initiative Long COVID

Informationen des Bundesministeriums für Gesundheit zu Long COVID, Versorgung, Forschung und Hilfsangeboten.

BMG-Initiative Long COVID öffnen

Charité Fatigue Centrum

Medizinische Informationen zu Post-COVID, Fatigue, PEM und ME/CFS.

Informationen der Charité öffnen

Praxisleitfaden ME/CFS

Umfangreiche Informationen zu Diagnostik, Krankheitsmanagement und Versorgung bei ME/CFS.

Praxisleitfaden ME/CFS öffnen

Deutsche Gesellschaft für ME/CFS

Informationen für Betroffene und Angehörige, unter anderem zu PEM und Pacing.

Deutsche Gesellschaft für ME/CFS öffnen

Bitte beachten Sie unsere aktuelle Terminsituation

Wir können derzeit bis auf Weiteres keine neuen Termine in unserer speziellen Sprechstunde für Long COVID, PostVac und ME/CFS anbieten.

Die oben verlinkten Informationsangebote bieten weiterführende medizinische Informationen und teilweise Hinweise auf weitere Versorgungsmöglichkeiten.

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